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"Agil" im Test

“Die V&T Papier-Schiff-Challenge“

 

„Agil“ ist ein Thema, über das viel geredet, geschrieben und gelesen wird. Wir glauben, es ist ein Thema, das man am besten aber körperlich erfährt, um den Sinn wirklich zu begreifen.
Anstatt zu reden, wollen wir tun – und da eine „Umstellung auf agile Methoden“ in realen Arbeitssettings eine große Hürde bedeutet, schaffen wir für unsere Kunden gerne einen Spielplatz, auf dem sie sich erst mal im sicheren Rahmen agil austoben können und auch mal stolpern dürfen – also tun statt reden, ohne dass es wirklich weh tut. Heute ist unser Agilität-erleben-Spielplatz eine Mikro-Reederei: In der Papierschiffchen gebaut werden!

 

Doch, bevor wir unsere Methode auf unsere Kunden loslassen, haben wir erst mal selbst getestet

 

Unsere Aufgabe: Als Team mit verschiedenen Teilaufgaben möglichst viele Papierschiffe bauen.

Es gibt zwei Durchgänge: Einmal produzieren wir die Schiffchen an den verschiedenen aufeinander folgenden Arbeitsstationen ganz klassisch nach dem Wasserfall- oder Push-Prinzip. In der zweiten Runde wenden wir agile Prinzipien an und gehen nach dem Pull-Prinzip vor. So wollen wir herausfinden, wie sich der Unterschied gestaltet und anfühlt!  

Also, Team: An die Schiffe, fertig,…Los!.

 

…20 Minuten später sind wir mit beiden Durchgängen durch.

 

Und, wie war’s?

 

 

Runde 1:
Ganz schön stressig geht’s los! Ich bin an Station 1 und falte wie wild Papier in Hälften. „Das is‘ aber nicht so ordentlich gefaltet“ kommentiert Natalie, meine Nachbarin an Station 2. Ist mir egal, ich bin im Stress … und: es gilt doch so viele Schiffchen wie möglich zu produzieren!

Das Push-Prinzip ist am Werk: Es wird ganz schön viel produziert…zumindest an den ersten Stationen. Aber schon an Station 4, bei meinem Kollegen Majed, hakt’s: Er hat eine besonders komplexe Falt-Aufgabe –  er und seine Station werden zum Bottleneck. Vor ihm türmen sich die zum-Fünftel-fertigen-Schiffchen, es werden immer mehr. Wir, hinter ihm, produzieren fleißig weiter. An den Stationen hinter Majed warten alle ungeduldig auf seinen Output. Nach 5 Minuten ist Produktionsschluss. Oh man, es stecken über 20 unfertige Schiffe in der Warteschlange …

Dann kommt die Ansage von Daniel, unserem Moderator: „Wir haben gerade einen neuen Auftrag bekommen, jetzt soll ein rotes Schiff gebaut werden“. Mist! Wir müssen über 20 unfertige Schiffchen, die in der Produktion hängen, fertig bauen, bis wir endlich das rote produzieren können. Das dauert – und wir merken: unsere Push-Maschinerie ist nicht besonders flexibel. Der „Kunde“ muss  lange warten auf sein rotes Schiffchen…

 

 

 


Runde 2:
Jetzt kommt der Systemwechsel: In unserer Mikro-Reederei wird Kanban und damit das Pull-Prinzip eingeführt. Jeder „zieht“ sich das fertige Falt-Produkt von der vorhergehenden auf seine Station, und darf erst dann wieder ein Schiffchen zu sich ziehen, wenn der Arbeitsplatz vor ihm leer ist. Uff! Erst mal ungewohnt! Noch ganz automatisch schieben wir immer wieder das Faltprodukt weiter statt zu warten, dass es vom nächsten in der Produktionskette gezogen, also in Auftrag gegeben, wird – weil wir vom Push gewohnt sind, maximalen Output zu fahren. Aber langsam schleift es sich ein und der Pull-Prozess lässt sich an.
Viel ruhiger und strukturierter als vorher in der Push-Runde ist es. Ich produziere viel weniger, weil ich immer darauf warten muss, dass die Station vor mir frei wird. In der Zwischenzeit verschnaufe ich, drehe Däumchen und schaue, wie’s bei den anderen läuft – ich würde Majed, gerne helfen, weil ich freie Kapazitäten habe. Gefühlt sind wir doch bestimmt weniger produktiv – es geht alles so viel stressfreier von statten. Aber: Ist das wirklich so?

 

 

Auswertung:
Wer hätte es gedacht: Stress und Output sind nicht positiv korreliert. In Wirklichkeit sind wir in der Pull-Runde nach 5 Minuten sogar ein klein wenig produktiver als in der Push-Runde zuvor – und dazu noch viel weniger gestresst!

 

 

Auch das rote Schiffchen kriegen wir dieses Mal viel schneller an den Kunden, weil statt 20+ nur 4 unfertige Schiffchen im Produktionsprozess gebunden sind – unsere Produktion ist also viel flexibler und kann auf Kundenwünsche reagieren! Das fühlt sich gut an. Und der Teamspirit ist auch gestiegen: Gleich mehrere von uns haben den Impuls verspürt, anderen unter die Arme zu greifen. Mehr Teamwork, Kanban sei Dank!

Zusammenfassend lässt sich sagen:  Ein Produktionsprozess mit den Prinzipien von Kanban als Basis-Form von „agil“ ist nicht nur schneller, sondern auch menschen-orientierter, ressourcenschonender und viel weniger stressig als ein vergleichbarer Prozess in „normaler“ Organisation.


Achso und: Papierschiffchen bauen zum Zwecke von ‚Agilität erleben‘ macht Spaß! Probieren Sie’s mal aus

 

 

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