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(Selbst-) Führung in Transformation
Argument 1/5: Ambidextrie

7 Aug 2019

 

Führungskräfte, die ein Verständnis menschlicher Veränderungsprozesse haben, können die Ambidextrie ihrer Organisation (-skultur) besser ausbalancieren.

 

Mit Ambidextrie (Beidhändigkeit) wird die Gleichzeitigkeit zweier Unternehmenskulturen innerhalb einer Organisation bezeichnet – auf der einen Seite die effizient arbeitende, hierarchische „alte Welt“, auf der anderen Seite die selbstorganisierte und explorative „neue Welt“. Diese Gleichzeitigkeit erleben wir in den meisten Organisationen keineswegs als wohl geschätzte Superkraft, sondern vielmehr als schmerzhaftes „Dazwischen“, aus dem Konflikte erwachsen. Es kommt zu Spaltungen zwischen Teams und Mitarbeitern im Sinne eines „wir gegen die“.

 

Die meisten Change-Programme und Kulturinitiativen für mehr Innovation und Agilität scheitern an den Führungskräften. Das liegt allerdings weniger an mangelnder Überzeugung, fehlendem Wissen oder schlechten Entscheidungen. Vielmehr fehlt nach unserer Beobachtung oftmals das Bewusstsein dafür, dass Veränderung gerade von Führungskräften ganz persönliche und langfristige Veränderungsarbeit erfordert.

Lesen Sie zunächst hier die Einführung in diese Serie über Führung in Transformation.

 

Die „Alten“ verstehen die Welt nicht mehr, machen sich über die „Kreativen“ lustig, sehen Chaos und Verunsicherung oder lehnen den ganzen Quatsch in Produktentwicklung und strategischen Initiativen schlichtweg ab.

 

Die „Neuen“ hingegen fühlen sich an jeder Stelle gegängelt, ausgebremst und nicht unterstützt und brennen trotz hoher Motivation in neuen Projekten und Initiativen regelrecht aus, da sie vieles davon in Überstunden neben ihrem eigentlichen Tagesgeschäft leisten.

 

Führungskräfte, Personalabteilung und „Kultur-Paten“ stehen oftmals dazwischen, weil sie beide Welten unter einen Hut bringen und gemeinsam zum Erfolg führen sollen. Wie das wirklich reproduzierbar geht, weiß wohl noch kaum jemand und die Situation ist in jeder Organisation anders. Das Ganze funktioniert vermutlich nur mit viel Geduld und viel innerer Ruhe und Klarheit dieser zentralen Akteure und mit der Resilienz, Widersprüchlichkeit und Paradoxien liebevoll zu umarmen.

Kreisförmige Entwicklungsprozese

 

Entwicklung verläuft in allen natürlichen Prozessen kreisförmig – das gilt im Jahresverlauf, im Tagesverlauf und genauso im Werden, Wachsen und Vergehen allen Lebens. Das gilt also auch für uns Menschen, egal ob als Individuum oder in Teams. Lineare Entwicklung ist ein Konstrukt, das menschlicher Entwicklung nicht gerecht wird. Entwicklungsprozesse durchlaufen immer wieder folgende Phasen in dieser Reihenfolge

 

* Fülle und Flow (das Individuum verbunden mit dem Hier und Jetzt im Außen)

 

* Herausforderung, Zweifel und Introspektive (Das Individum schaut nach innen)

* Entscheidung und Tatkraft (das Individuum übernimmt Verantwortung und handelt um Außen)

 

* Loslassen und Ruhe (das Individuum im Innen oder im Vertrauen auf Andere/s)

 

Wer langfristig in einer dieser Phasen feststeckt oder krampfhaft nur eine dieser Qualitäten immer weiter vorantreibt, kann in der Regel nicht dauerhaft gesund und erfüllend leben. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich diese Phasen im täglichen Wechsel oder in Dreijahresrhythmen durchlebe.

Wer diesen Ablauf versteht, lebt und durchdringt, kann die Qualitäten jeder Phase als wertvoll und nützlich anerkennen und sie als Bereicherung für das gemeinsame Ziel bewusst nutzen (auch wenn jemand, der sich gerade in einer anderen Phase befindet als ich, im konkreten Moment weiterhin gehörig nerven kann!). Wenn ein*e momentane*r „Top-Performer*in“ den Wert des*r „Zweifler*in“ anerkennt und vice versa, kann ein Team beide Qualitäten produktiv nutzen – und das Individuum leichter aus Konflikt und Ablehnung herauskommen.

Als Führungskraft kann ich so scheinbare Widersprüche in mir selbst genauso wie in meinem Team klarer integrieren und die jeweiligen Standpunkte als Entwicklungsphasen neu wertschätzen. Dieser neue Blick erhöht die Resilienz von Individuen und Teams, eröffnet neue Handlungs- und Lösungsoptionen, entspannt Konflikte und ermöglicht größere Potentialentfaltung.

 

 

Hier finden Sie unser Führungskräftetraining „natürlich FührungsKraft“, das Sie unterstützt sich selbst in Ihren Entwicklungsphasen klarer zu verorten und einen neuen Führungsstil zu entwickeln.

 

 

 

Lesen Sie im nächsten Artikel hier weitere Argumente für eine neue Art von (Selbst-) Führung.

 

 

 

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