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New Pay: Die Frage nach dem Wozu! Wozu New Pay? Zeit, Geld und Sinn

28 Aug 2019

ANSATZ 2 – von Osten: Die Sinnfrage stellen

 

relavante Artikel:

 - New Pay, New Work, New What ?! (1/4)

 - New Pay: Wie unser Menschenbild die Arbeitswelt prägt (3/4)
 - New Pay: Praxisbezug schaffen (4/4)

 

Es geht also um Geld - bzw. offensichtlich gerade nicht oder nur…Wozu brauchen wir neue Arbeits- und Entlohnungsmodelle? Läuft doch bisher, oder?! … Oder??!

 

Das Kommt wahrscheinlich drauf an, wen Sie fragen. Fragen wir doch mal in den großen Unternehmen, wie viele junge Leute sich allein mit dem „großen Geld“ und saftigen Boni locken lassen. Fragen wir doch mal eine alleinerziehende Mutter, was sie an Arbeitsbedingungen und Entlohnung braucht, um Familie und Arbeit gut unter einen Hut bringen zu können. Oder fragen wir die Medien, was da draußen so los ist – dann erfahren wir: Old Pay is out! Das Online Magazin „Zett“ bringt sogar unser bisheriges Arbeiten und Vergütungssystem mit dem drohenden Klimawandel in Verbindung und rät zu weniger Arbeit, wenn man etwas gegen die Erderwärmung tun will. Sie merken schon: Offenbar gibt es Handlungsbedarf!

 

 

Woran könnte es noch liegen? Vielleicht daran, dass wir immer mehr zu einer shared economy werden – im Großen wie im Kleinen: Shared economy im Großen, wo man sich Autos & Co. (ShareNow, Emmy, Lime), Wohnungen (Airbnb) und Büros (Open Space Ansätze) teilt, shared economy im Kleinen, wo man in Nachbarschaftsgärten zusammen in der Erde buddelt, Auto-, Fahrrad- oder Werkzeugteilplattformen, wo man den Gedanken des Teilens konsequent nicht-kommerziell zu Ende denkt. Ist auch „shared money“ ein Thema? Plattformen wie Kickstarter zeigen bereits, welches Innovationspotential darin steckt, sich neue Ideen nicht wie lange üblich von der Bank, sondern von einer Menge Menschen, der crowd, finanzieren zu lassen . Institutionen wie Job Sharing zeigen, dass man sogar Jobs teilen kann. Der Ruf nach dem Grundeinkommen wird zunehmend lauter. Was bedeutet das für die Gehälter der Zukunft? Welche Entlohnungsmodelle tragen dem wachsenden gemeinschaftlichen Bewusstsein Rechnung?

 

Dass „shared time“ immer wichtiger wird, brauche ich vermutlich gar nicht zu erwähnen: Der in der Gesellschaft gefühlte Wert von Zeit steigt stetig. Das spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt und in den Arbeitsverträgen wieder: Allein in Deutschland arbeiteten 2017 bereits 4 von 10 Beschäftigten nicht mehr Vollzeit, fast doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Und ganz subjektiv mache ich die Erfahrung: in meinem Bekanntenkreis will eigentlich kaum einer mehr Vollzeit arbeiten. Zeit abseits des Arbeitsplatzes wird immer wichtiger: Zeit für Erholung, Zeit mit Freunden, Familie und sich selbst.  

 

Gewonnene Zeit statt „Schmerzensgeld“ für Vielarbeit – vielleicht wird das auch deshalb immer attraktiver, weil in Zeiten drohenden Klimawandels, steigender Ressourcenknappheit und einem stetig wachsenden vegan-nachhaltigem Bewusstsein, Dinge, für die die Generation vor Y und Z noch viel Geld ausgegeben hat, wie für benzinfressende SUVs und Sportwagen, Designer-Anzüge und regelmäßige Städtetrips und Flugreisen zum Zweit-Domizil im Süden, einfach nicht mehr den selben Status-Gewinn bringen wie früher.

 

Stattdessen teilt man sich ein Haus mit anderen und nutzt Fahrrad und CarSharing und grillt selbst gepflanzte Zucchinis. Freizeit wird wichtiger, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, die eigene Verantwortung für den Planeten, Familie, aber auch sich selbst, Körper, Seele. So beispielsweise bei Leila. Außer nach der Vergütung in Euro fragen deshalb immer mehr Menschen nach dem Sinn und den Folgen der Arbeit, die sie verrichten: für sich, die Gesellschaft und die Umwelt. Passt meine Arbeit zu meinen persönlichen Werten? Habe ich daneben noch ausreichend Zeit für andere Projekte, die mir Spaß machen und einen Ausgleich schaffen? Was bewirke ich mit meinem Job da draußen?

 

Letztlich heißt #NewPay in diesem Sinne wohl, sich zu fragen: Welchen Wert hat meine Zeit, meine Leistung, meine Person an welcher Stelle der Arbeitswelt? Und welche Gegenleistung möchte und kann ich für das, was ich anbiete, erhalten? Wie und wodurch schafft die Arbeit an sich, aber auch die Gegenleistung für mich persönlich einen Nutzen? Und in wie weit kann – und vielleicht auch muss – dieser Nutzen über meine persönlichen Ziele hinaus reichen und auf eine größere Sache einzahlen?

 

Das nächste Mal nähern wir uns dem Thema von Süden und setzen das ganze Thema in einen spannenden historisch-psychologischen Kontext…stay tuned.

 

 

unsere Netzwekrveranstaltung zum Thema

https://www.verwegener-trefflich.de/buzzstop

 

 

 

 

 

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